Die Missbrauchskrise erschüttert die Kirche in Deutschland. Die Studie der Deutschen Bischofskonferenz hat uns gezeigt, wie dramatisch das Problem des sexuellen Missbrauchs minderjähriger Schutzbefohlener in der katholischen Kirche war und ist. 3700 Menschen sind in den letzten 50 Jahren Opfer geworden. Nicht wenige davon sind ihr Leben lang belastet.
Der Missbrauch durch Priester wiegt doppelt schwer, weil dadurch nicht nur die Seele, sondern auch der Glaube zerstört werden kann. Der, der die Liebe Gottes vermitteln soll, wird selber zum Täter. Zu Recht steht die Kirche damit im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Nun muss Geschehenes aufgearbeitet und Opfern geholfen werden. Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden.
Vor allem aber muss der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Missbrauch in Zukunft höchste Priorität haben. Vieles ist schon geschehen in unserer Erzdiözese und hier bei uns im Pfarrverband. Und Vieles muss noch geschehen. Auch über den Kreis von Priestern hinaus kommt es zu Missbrauch. Deshalb sind alle Pfarreien und kirchlichen Institutionen in Zukunft zu einem institutionellen Schutzkonzept verpflichtet, das die Gefahren für minderjährige Schutzbefohlene auf allen Ebenen minimiert.
Diözesanweit werden alle pastoralen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zum Thema Prävention in einem Elearning-Projekt geschult. Es gibt ein definiertes Vorgehen bei Missbrauchsverdachts- fällen. In der Erzdiözese München Freising sind die beiden externen Missbrauchsbeauftragten Dipl. Psych. Kirstin Dawin KDawin(at)missbrauchsbeauftragte-muc.de, Dipl.-Soz.päd. Ulrike Leimig uleimig@missbrauchsbeauftragte-muc.de und Dr. jur. Martin Miebach MMiebach(at)missbrauchsbeauftragte-muc.de zuständig, alle Anschuldigungen in diesem Bereich entgegenzunehmen und zu untersuchen.
Erzbistum München – Hilfe für Betroffene von Missbrauch – Seite mit Hilfsadressen und mit den Adressen der externen MissbrauchsbeauftragtenVor Ort sind alle hauptamtlichen und zusätzlich alle ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, die ein Vertrauensverhältnis zu Kindern aufbauen können, verpflichtet, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen und sich auf einen Verhaltenskodex zu verpflichten, der dem Miss- brauch von Schutzbefohlenen entgegen wirkt. Für Projekte wie Zeltlager, Ministrantenwochenende, Erstkommunion- und Firmvorbereitung werden Gefährdungsanalysen erstellt. Prävention von sexuellem Missbrauch ist ein fester Baustein der Ausbildung, die unsere Jugendgruppenleiterinnen und Jugendgruppen- leiter durchlaufen. Auch sie müssen ein Führungszeugnis vorlegen und sich auf unseren Verhaltenskodex verpflichten.
Weitere Bausteine eines Schutzkonzeptes sind: Berücksichtigung des Themas bei Personalauswahl und -entwicklung, transparenter Beratungs- und Beschwerdeweg, Qualitätsmangement und, für den Fall, dass es trotz aller Sorgfalt zu Miss- brauch kommen sollte, eine nachhaltige Aufarbeitung. Vieles ist in den letzten acht Jahren in unserer Diözese und in unserem Pfarrverband schon geschehen. Diesen Weg werden wir weitergehen und intensivieren, beispielsweise im Blick auf einen transparenten Beschwerdeweg auf allen Ebenen des Pfarrverbandes. So wollen wir sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche bei uns sicher sind.
Pfr. Willi Huber
Erzbistum München – Prävention und Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs
Erzdiözese München und Freising – Handlungsleitfaden zum Vorgehen im Verdachtsfall bei sexualisierter Gewalt
Bild: Broschüre „Miteinander achtsam leben“ https://engagiert.erzbistum-muenchen.de/content/download/31069/658681?version=1