Muspillistraße 31, 81925 München

Aktuelles

Wegen der umfassenden Innensanierung ist die Kirche von August 2015 bis voraussichtlich Oktober 2016 geschlossen. Aktuelle Informationen dazu finden Sie hier.

Geschichtliches

St. Lorenz liegt im alten Siedlungskern Oberföhrings nahe der Hangkante des Isarhochufers. Der Kirchturm mit dem Satteldach ist daher schon von weitem zu sehen und gilt als Wahrzeichen Oberföhrings. Von der mittelalterlichen, dem Heiligen Laurentius geweihten Pfarrkirche weiß man nicht viel. Die ursprünglich gotische Saalkirche wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts wegen Bauschäden abgebrochen – nur der einfache gotische Turm blieb stehen. Noch im gleichen Jahr, 1678, ließ der Fürstbischof Albrecht Siegmund auf Betreiben des damaligen Pfarrers Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck die Kirche neu errichten. Baumeister war der Münchner Maurermeister Wolfgang Zwerger (gest. 1715). 1680 konnte die Kirche geweiht werden, aber es dauerte bis 1893 ehe auch der stark einsturzgefährdete Turm neu aufgebaut wurde, allerdings nicht in barocker Form, sondern nach Vorbild des alten Turms, als hoher Satteldachturm.

Kirche

Die Kirche besteht aus einem Langhaus mit einer Grundfläche von etwa 35 x 11 m. Der Westfassade (der Eingangsseite) ist ein kleinerer Vorbau vorgesetzt, an dessen rechter Seite der quadratische Turm mit Satteldach steht. Die Kirche ist von einem ummauerten Friedhof umgeben. Die Inneneinrichtung ist barock. Im Hauptaltar hängt ein Gemälde, das das Martyrium des heiligen Laurentius darstellt. Es ist eine Kopie eines Gemäldes von Tizian aus dem Jahre 1555, das in der Jesuitenkirche in Venedig hängt. Seitlich stehen Statuen der Apostel Petrus und Paulus zwischen gewundenen Säulen. Der linke Seitenaltar enthält Teile des Altars der 1820 abgerissenen Wallfahrtskapelle St. Emmeram. Das Altargemälde aus dem frühen 17. Jahrhundert stellt den heiligen Emmeram zwischen Engeln dar, der Rahmen ist ein Werk von Egid Quirin Asam aus dem Jahr 1739. 1986 erhielt die Kirche eine neue Orgel mit mechanischer Traktur, die besser für die Orgelliteratur mensuriert ist als die alte. Die Orgel mit 29 Register wurde gebaut durch Orgelbaumeister Franz Heinze (1931-2011) aus Nürnberg.

 

Stimmen aus der Gemeinde

In unserem Pfarrbrief „miteinander“ (Ausgabe 2/2013) haben im Rahmen einer Gemeindeumfrage verschiedene Personen St. Lorenz aus ihrer jeweils sehr individuellen Perspektive porträtiert.

„Kleiner Ausflug auf das Land“


Ein Besuch der Kirche St. Lorenz ist für mich als Angehörigen der Pfarrei St. Thomas fast wie ein kleiner Ausflug auf das Land: Eine prächtig ausgestattete, allerdings renovierungsbedürftige Barockkirche mit Turm und Glocken in einem gepflegten Friedhof abseits vom Straßenverkehr, ein altes Pfarrhaus in einem riesigen, etwas verwilderten und gerade deshalb besonders schönen Garten direkt an den Isarauen, ein reges Leben in der Pfarrgemeinde mit zahlreichen Vereinen und Gruppierungen, vielfältiger Kirchenmusik, Fahnen und einem Himmel für die Fronleichnamsprozession. So gehe ich seit vielen Jahren immer wieder gerne zu Gottesdiensten (Osternacht, Abendmesse am Sonntag) und Veranstaltungen (Kirchenkonzerte, bayer. Adventsfeier) in St. Lorenz.
(Manfred Schmid, St. Thomas)

„Eine Jugenderinnerung“


In meiner Jugend gehörte Johanneskirchen zur Pfarrei St. Lorenz. Die Messen in der Johanneskirche wurden vom jeweiligen Kaplan gelesen. Verbindung zu den Oberföhringer Ministranten bestand für uns Johanneskirchner Minis bei gemeinsamen Ausflügen in den großen Ferien; auch an Zeltlager kann ich mich erinnern. Für die Johanneskirchner Jugendlichen gründete der damalige Kaplan Fritz Graßl einen Singkreis, wohl als Ersatz für die in der Filiale fehlende Pfarrjugend. Sein Nachfolger Kaplan Hans Hagl führte den Singkreis weiter und brachte einige Oberföhringer Mädchen mit. Die Oberföhringer Pfarrjugend war sehr aktiv. Wir Johanneskirchner Jugendliche kamen immer gerne nach Oberföhring (Johannisfeuer, Kirchweihtanz oder Faschingsball). Auch nach Gründung der Pfarrei St. Thomas blieb eine Bindung zu St. Lorenz bestehen. Ich habe die Pfarrgemeinde St. Lorenz als gewachsene intakte Gemeinde mit einem vielfältigen Angebot empfunden. Mit dem künftigen Pfarrverband wird wieder zusammengeführt, was vor 45 Jahren infolge der regen Bautätigkeit westlich der Bahnlinie getrennt worden ist, wenngleich die damaligen und die jetzigen Verhältnisse nicht vergleichbar sind.
(Otto Merk, Johanneskirche)

„Kirchturm von St. Lorenz“


Ein Blick aus dem Dorf Johanneskirchen auf St. Lorenz. Der Kirchturm von St. Lorenz ist mir fast täglich präsent: Wenn ich auf der Johanneskirchner Straße gegen Westen fahre, ragt der Turm vor den Bäumen des Isarhochufers heraus. Der traditionelle Kirchenbau und die zurückhaltend barocke Stuckierung des Kirchenschiffs empfinde ich bei meinen Gottesdienstbesuchen – vor allem am Sonntagabend – als einen wohltuenden Ausgleich zum modernen, nüchternen Kirchenbau und -raum von St.Thomas. Doch wirkt der vergraute Kirchenraum auf mich auch deprimierend und ich freue mich darauf, wenn die Hl. Messen in einiger Zeit in einem renovierten, lichten, leicht barocken Gotteshaus stattfinden werden.
(Ludmilla Rottmann, St. Thomas)

„Für mich die ältere Schwester“


Jedes Mal, wenn ich in all ́ den Jahren als Bewohner von Johanneskirchen/Oberföhring mit dem Fahrrad in München unterwegs war und durch den Englischen Garten heimwärts fuhr, hatte ich beim Anblick des Turms von St. Lorenz am Isarhochufer stets das Gefühl: jetzt bist du gleich zuhause. Dies erzeugte von Anfang an ein gewisses Gefühl der Vertrautheit. Als gelegentlicher Besucher der Sonntagabendmesse in St. Lorenz fühlte ich mich in der Vergangenheit nie als Fremder, ja auch in der Zeit vor dem Pfarrverband entdeckte ich dort schon das eine oder andere bekannte Gesicht aus St. Thomas. Ebenso konnte ich dies beim traditionellen Besuch der Weihnachtsbasare am 1. Advent erfahren – auch hier war die „Grenze“ zwischen beiden Gemeinden schon sehr durchlässig. So war für mich St. Lorenz nie der fremde Nachbar, sondern die „ältere Schwester“, die man schon immer kennt.
(Bernhard Schumm, St.Thomas )

„Stärke und Konsequenz“


Meint man mit „St. Lorenz“ den Kirchenbau? Dann macht dieser für mich ein Stück Daheim aus. Ich kenne das Gebäude, seit ich mich erinnern kann: renoviert und unrenoviert, von innen und noch viel mehr von außen. Denn aus unserem Küchenfenster blickt man direkt auf unsere Kirche. Meint man mit „St. Lorenz“ die Menschen der Pfarrei? Dann machen auch diese für mich ein ordentliches Stück Daheim aus. Viele Menschen unserer Gemeinde kenne ich, seit ich mich erinnern kann. Meine Großeltern und meine Eltern waren aktive Gemeindemitglieder, meine Mutter viele Jahre Pfarrsekretärin, unsere Kinder sind bei den Ministranten. Am besten gefällt mir aber die Annahme, dass mit „St. Lorenz“ doch der Heilige Laurentius von Rom gemeint ist. Der Heilige Laurentius ist für mich ein tatkräftiges (Vor-) Bild für persönliche Stärke und Konsequenz im positiven Sinne, gepaart mit Witz und Unerschrockenheit gegenüber weltlichen Machtansprüchen und dem Sterben. Die ihm zugeschriebenen Worte auf dem Rost, man möge ihn doch wenden, und deren Auswirkung auf zumindest einen seiner Peiniger, der über diese Worte zum Glauben findet, stellen seinem doch sehr grausamen Tod eine überraschende Heiterkeit zur Seite. Für mich schließt sich so der Kreis zu unserem Kirchenbau: auf dem finsteren Altarbild nach Tizian muss man den Hoffnungsschimmer schon recht bewusst suchen. Das fröhlichere und etwas verklärte Bild des Heiligen Lorenz hängt leider nur im Pfarrheim. Vielleicht sollten wir, zumindest gedanklich, die Bilder mal wieder tauschen.
(Stefan Seeberger, St. Lorenz)