Die Missbrauchskrise erschüttert die Kirche in Deutschland. Die Studie der Deutschen Bischofskonferenz hat uns gezeigt, wie dramatisch das Problem des sexuellen Miss- brauchs minderjähriger Schutzbefohlener in der katholischen Kirche war und ist. 3700 Menschen sind in den letzten 50 Jahren Opfer geworden. Nicht wenige davon sind ihr Leben lang belastet.

Der Missbrauch durch Priester wiegt doppelt schwer, weil dadurch nicht nur die Seele, sondern auch der Glaube zerstört werden kann. Der, der die Liebe Gottes vermitteln soll, wird selber zum Täter. Zu Recht steht die Kirche damit im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Nun muss Geschehenes aufgearbeitet und Opfern geholfen werden. Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

Für alle Betroffenen hat die Deutsche Bischofskonferenz eine Hotline geschaltet:

 

www.hilfe-nach-missbrauch.de oder Telefon: 0800 00 05 640

 

Vor allem aber muss der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Missbrauch in Zukunft höchste Priorität haben. Vieles ist schon geschehen in unserer Erzdiözese und hier bei uns im Pfarrverband. Und Vieles muss noch geschehen. Auch über den Kreis von Priestern hinaus kommt es zu Missbrauch. Deshalb sind alle Pfarreien und kirchlichen Institutionen in Zukunft zu einem institutionellen Schutzkonzept verpflichtet, das die Gefahren für minderjährige Schutzbefohlene auf allen Ebenen minimiert.

Diözesanweit werden alle pastoralen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zum Thema Prävention in einem Elearning-Projekt geschult. Es gibt ein definiertes Vorgehen bei Missbrauchsverdachts- fällen. In der Erzdiözese München Freising sind die beiden externen Missbrauchsbeauftragten Ute Dirkmann (info@kanzlei-dirkmann.de) und Dr. Martin Miebach (muenchen@bdr-legal.de) zuständig, alle Anschuldigungen in diesem Bereich entgegenzunehmen und zu untersuchen.

 

Externe Ansprechpartner bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch

 

Vor Ort sind alle hauptamtlichen und zusätzlich alle ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, die ein Vertrauensverhältnis zu Kindern aufbauen können, verpflichtet, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen und sich auf einen Verhaltenskodex zu verpflichten, der dem Miss- brauch von Schutzbefohlenen entgegen wirkt. Für Projekte wie Zeltlager, Ministrantenwochenende, Erstkommunion- und Firmvorbereitung werden Gefährdungsanalysen erstellt. Prävention von sexuellem Missbrauch ist ein fester Baustein der Ausbildung, die unsere Jugendgruppenleiterinnen und Jugendgruppen- leiter durchlaufen. Auch sie müssen ein Führungszeugnis vorlegen und sich auf unseren Verhaltenskodex verpflichten.

 

Infos der Koordinationsstelle für Prävention von sexuellem Missbrauch

 

Weitere Bausteine eines Schutzkonzeptes sind: Berücksichtigung des Themas bei Personalauswahl und -entwicklung, transparenter Beratungs- und Beschwerdeweg, Qualitätsmangement und, für den Fall, dass es trotz aller Sorgfalt zu Miss- brauch kommen sollte, eine nachhaltige Aufarbeitung. Vieles ist in den letzten acht Jahren in unserer Diözese und in unserem Pfarrverband schon geschehen. Diesen Weg werden wir weitergehen und intensivieren, beispielsweise im Blick auf einen transparenten Beschwerdeweg auf allen Ebenen des Pfarrverbandes. So wollen wir sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche bei uns sicher sind.

Pfr. Willi Huber

 

Übersichtsseite auf der Homepage der Erzdiözese

 

Bild: Broschüre „Miteinander achtsam leben“ www.erzbistum-muenchen.de/cms-media/media-44445920.pdf