Die Corona-Krise verdeckt zur Zeit unseren Blick auf andere Krisenherde dieser Welt. Ganz besonders leiden die Menschen in den ärmeren Ländern an den Folgen dieser weltweiten Pandemie. Besonders hart trifft es die Insassen der Gefängnisse Lurigancho und Castro Castro in Lima/Peru, in denen sich Schwestern und Ehrenamtliche mit finanzieller Unterstüzung aus St. Thomas um die dortigen Gefangenen kümmern. Im folgenden können Sie einen Bericht von Frau Gisela Matt-Bruno über die aktuelle Situation vor Ort lesen.

St. Thomas unterstützt seit vielen Jahren die Gefängnispastoral in Lima, seit Ende 1970er Jahre im Gefängnis Lurigancho, wo Sr. Ana Marzolo das Drogenrehaprojekt einführte; seit ihrem Ruhestand ist dafür Antonio Vargas verantwortlich.
Zur Zeit des Terrorismus des „Leuchtenden Pfades“ und der „Tupac Amaru“ wurde zunächst speziell für politische Gefangene in der Nähe von Lurigancho das Hochsicherheitsgefängnis Castro Castro gebaut, das heute aber als Erweiterung für Lurigancho genutzt wird.

2005 konnte ich bei meinem Limaaufenthalt dieses Gefängnis besuchen. Die Gefängnisseelsorge wurde damals von mehreren Schwestern getragen. Einer ihrer Helfer hat mich durch verschiedene Abteilungen des Gefängnisses begleitet und dafür eine bei den Gefangenen vorhandene analoge Kamera organisiert für Bilder für St. Thomas. Der Film wurde durch eine der Schwestern aus dem Gefängnis gebracht und danach mir übergeben. Dadurch kann ich hier einige Fotos aus dem „Normalbetrieb“ zu der damaligen Zeit zeigen: (Die Schwester ist inzwischen verstorben)

 

Corona-Ausbruch im Gefängnis Castro Castro

Das Gefängnis ist ständig katastrophal überbelegt, und die hygienischen Verhältnisse sind daher völlig unzureichend. Viele der Insassen sind Untersuchungshäftlinge, die jahrelang auf einen Prozess warten und andere sind wegen kleinen Delikten Jahrelang dort „vergessen“. So hatten Corona-Infektionen ein leichtes Spiel; es gab schnell Corona-Tote. Die Gefangenen begehrten auf, sie kommen sich vor wie zum Tode verurteilt. Schließlich kam es zum Aufstand, der mit Gewalt endete.

Sr. Carlota Calle, die heute die „Capellanía“ in Castro Castro leitet, schrieb uns dazu: „Ja, COVID 19 ist in Castro Castro angekommen wie eine Grippe, die mehr als die Hälfte der Bewohner vor zwei Wochen angegriffen hat. Das alarmierte die Insassen, die eine friedliche Demonstration machten mit der Forderung nach Medikamenten und einem Covid-Test, die aber in einem Aufstand endete mit 9 Toten und vielen Verwundeten.. Sie haben auch die Bibliothek, die Hausapotheke und die Handarbeits-Werkstatt der Capellanía niedergebrannt. Schrecklich! Die Capellanía lag in Schutt und Asche.“

Wie sie helfen können

Gerade unter diesen schwierigen Bedingungen sind unsere Partner in Lima auf unsere Unterstützung angewiesen. Die vom Ausschuss „Ökologie und globale Verantwortung (ÖGV)“ geplante diesjährige Fastenaktion konnte aufgrund der Corona-Pandemie nicht durchgeführt werden. Die dadurch entgangenen Spendengelder fehlen nun natürlich.

Deshalb ergeht unser Aufruf an die Gemeindemitglieder, bei allen Schwierigkeiten, denen wir in der gegenwärtigen Situation selbst ausgesetzt sind, die Schwächsten auf der Welt nicht zu vergessen. Die Spendengelder für Lima werden in diesem Jahr hauptsächlich zur Versorgung der Gefängnisbewohner mit Schutzmasken und Desinfektionsmitteln, sowie zum Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur verwendet werden.

Ihre Spenden richten Sie bitte an:
Kath. Kirchenstiftung St. Thomas
Konto: DE 71 7509 0300 0002 1455 53
LIGA München
Stichwort: „Lima“

Vielen Dank!

Bericht und Bilder: Gisela-Matt Bruno und Sachausschuss Ökologie und Globale Verantwortung des Pfarrgemeinderates